Wertach 24 - Teil 3
Wertach 24 - Spuren und Blessuren

Wertach 24 – Spuren und Blessuren

Kurz quält sich die Sichel des Mondes durch die Wolkendecke. Doch gleich ist er wieder verschwunden. Ungeheuer zögerlich wird es langsam heller.

Für unsere letzte Trinkpause halten wir an der Wasserreserve oberhalb Wildberg an. Keiner verbraucht mehr unnötig Energie – die Gespräche reduzieren sich aufs Wesentliche.

Weiter! Auf zum letzten Gefecht! Wir steigen hinab zur Wertach. Der Regen wird wieder stärker. Unangenehm stark :(.

Teil 1 und 2 verpasst? 24 Stunden Wanderung – Wertach 24 – (1) – Start ins (Un-) Bekannte

Bisher ging es mit der kurzen Wanderhose – jetzt ist sie pitschnass. Die Kälte kriecht in die Beine. Im strömenden Regen will ich keinen Kleidungswechsel starten. Wo gibt es denn den nächsten Unterschlumpf? Dieter erzählt von einem Forsthaus in etwa 2 km Entfernung.

Ich entscheide mich für einen kleinen Zwischenspurt. Das bringt mir wenige Minuten Vorsprung auf meine Mitwanderer. So bleibt mir Zeit für den Umstieg auf die Regenhose, ohne dass ich die anderen warten lassen muss. . Kaum bin ich umgezogen sind wieder alle bei mir.

Die kurze Pause tut gut. An der Wertach entlang unterqueren wir die A7. Kurz vor Maria Rain halten wir nochmal an einer holzüberdachten Brücke. Zwei von uns entscheiden sich die letzten 5 km mit dem Auto zurückzulegen.

Nachdem noch ein letztes Mal alle Blasen verpflastert sind, setzen wir uns gemeinsam in Richtung Grüntensee in Bewegung. Noch ein paar Schleifen an der Wertach entlang. Dann steigen wir hinauf in Richtung Strasse. In der Ferne erahnen wir schemenhaft das Wertacher Hörnle.

Noch etwa 3 km. Dann nur noch 2 km. Man spürt förmlich dass wir alle mit Stalltrieb dem Ziel entgegen sehnen.

Ein letztes Mal überqueren wir die Wertach auf einer alten Römerbrücke. Staumauer 1,6 km – der Regen hat aufgehört, trotzdem ist noch viel Feuchtigkeit in der Luft.

Eine letzte Biegung, dann wird die Rampe zur Staumauer des Grüntensees sichtbar. Das Ziel ist vor Augen – der Körper schickt noch einmal Endorphin durch unsere Adern. Dann stehen wir gemeinsam oben. Endlich – der Blick auf den Grüntensee wird frei. In Reihe aufgestellt feiern wir unseren Zieleinlauf mit einem: „Pfüati Wertach – Griasdi Grüntensee!“

Zum Seehaus am Grüntensee sind es nur mehr ein paar Hundert Meter zu gehen. Dort erwartet uns das komplette Betreuerteam. Mit 08:53 Uhr legen wir quasi eine Punktlandung hin. Wir haben die gesamte Strecke von 82 km in fast exakt 24 Stunden gemeinsam bewältigt.

In lockerer Runde und einer kleinen Brotzeit lassen wir das Geleistete ausklingen. Dieter und Team hat neben Urkunden für jeden auch eine Besonderheit vorbereitet. Steine aus der Wertach als Erinnerung.

Keiner geht aus so einer Wanderung ohne die ein oder andere Blessur, den ein oder anderen Schmerz nach Hause. Die Blessuren, der Schmerz, sie werden vergehen – was bleiben wird sind die Er-INNER-ungen, die Er-LEB-nisse.

Wertach - 24 - Stufe für Stufe - Schritt für Schritt

Wertach – 24 – Stufe für Stufe – Schritt für Schritt

Dieter hat es unter dem Motto: „Nicht die 1440 Minuten bleiben in Erinnerung, sondern die erlebten Momente.“ beschrieben.

Mir fällt immer ein Zitat aus meiner Zeit als Ultra-Triathlet ein: „Wir sind zusammengekommen um mit den Elementen und uns selbst zu kämpfen.“

Wann sehen wir uns wieder?

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