Wildspitze im Winter - aus eigener Kraft - Teil 2

Wildspitze im Winter – Gipfelanstieg

Wildspitze  im Winter - auf dem Gletscherplateau die Wildspitze schon im Blick

Wildspitze im Winter – auf dem Gletscherplateau die Wildspitze schon im Blick

Jetzt, in etwa 3.500m Höhe ist die Luft spürbar dünner. Der Schnee teils harschig, teils verblasen. In den Steilpassagen brauche ich öfter Pausen, es sind nur 30-Schritt-Einheiten machbar, dann brauche ich jeweils ein Päuschen zum Schauen und Verschnaufen. Erst als es wieder flacher wird gehen wieder 50-er Einheiten des Schrittezählens.

Teil 1 verpasst? Den findest Du hier 🙂

Endlich erreichen wir das Skidepot in der Senke unterhalb des Südwest-Grats der Wildspitze. Wir schnallen ab, verstauen das Seil und legen die Steigeisen an die Skischuhe. Keine Wolke trübt den Himmel. Wir haben klare Sicht und die Temperatur ist für die Jahreszeit sehr angenehm. Das Beste aber ist: Wir haben fast keinen Wind :-). Ganz anders als letzte Woche.

Wildspitze im Winter – Südwestgrat

Der Aufstieg über den Grat mit Pickel und Steigeisen klappt gut, doch eine Portion Nudeln könnte ich jetzt gut gebrauchen. 4 Energieriegel sind nicht gerade üppig bei 2.200 Höhenmeter Aufstieg. Kurz vor dem Gipfel gibt es eine kleine Kletterstelle (I-II), die im Aufstieg keine Probleme macht.

Kurz vor dem Gipfel der Wildspitze lässt Heiko mir den Vortritt. Danke :-). Es ist etwa 11 Uhr vormittags. Beide stehen wir glücklich auf dem Gipfel von Tirols höchstem Berg. Mit 3.770 m ist die Wildspitze zwar nur mein bisher dritthöchster Gipfel, doch es ist der, von dem ich am längsten geträumt habe. Es ist fast 5 Jahre her, dass ich ihr Bild an meinen Büroschrank gepinnt habe.

Dankbarkeit am Gipfel – Wildspitze im Winter

Wildspitze  im Winter - Magnus Bühl am Gipfel - Geschafft!! :-)

Wildspitze im Winter – Magnus Bühl am Gipfel – Geschafft!! 🙂

In etwa 8 Stunden sind wir von Mittelberg über den Mittelberg- und Taschachferner hinauf zur Wildspitze aufgestiegen. Die Anstrengung hat sich mehr als gelohnt, die Aussicht ist einfach grandios heute. Alle Gipfel rundherum liegen unter uns. Auf vielen davon bin ich die letzten 10 Jahre gestanden und habe sehnsuchtsvoll zu ihr, der Wildspitze, herauf- oder hinübergeschaut. Heute ist es anders herum :-). Ich empfinde große Dankbarkeit endlich auf der Wildspitze zu stehen.

Doch viel Zeit bleibt nicht. Heiko muss heute Abend noch Arbeiten. Die Kletterstelle finde ich im Abstieg nicht ganz so angenehm, deswegen teste ich als Alternative den Abstieg über den Grat und die Westwand, erkenne aber schnell, das diese Variante noch gefährlicher wäre. Also zurück auf den SW-Grat der Wildspitze. Mit einer Bandschlinge als Sicherung bekomme ich den Abstieg über die Kletterstelle dann doch noch hin.

Abfahrt über Taschachferner und Taschachtal

Die Anstrengung des Aufstiegs und der fehlende Schlaf der letzten Nacht haben mein Energieniveau geschwächt. Nun steht noch die lange Abfahrt über den Taschachferner und das Taschachtal bevor. Der Schnee im Gipfelbereich der Wildspitze ist nicht wirklich für gute Schwünge geeignet. Erst ab dem Gletscherplateau ist wieder Pulver angesagt.

Wildspitze  im Winter - Gipfelpanorama vom Plateau aus

Wildspitze im Winter – Gipfelpanorama vom Plateau aus

Ab und an gehen ein paar feine Schwünge mit Jauchzen, dann müssen wir teils in die Aufstiegsspur um Schwung zu behalten. Meist ist der Gletscher zu flach für richtigen Speed, oft müssen wir schieben. Meine Oberschenkel brennen. Es ist angenehm warm geworden, meine Daunenjacke kann ich wegpacken. Lange, sehr lange zieht sich die Abfahrt bis zum Ende des Taschachferners.

Am Ende passieren wir das Übungsgelände vom Eiskurs im letzten August. Hier gelingen mir die feinsten Schwünge in 20cm Pulverschnee, das Gelände lässt es zu. Unterhalb des Taschachhauses verlassen wir den Gletscher. Schwingen ins langegezogene Taschachtal hinab. Ab und zu kraze ich über Felsen hinweg.

Nach passieren der Materialseilbahn des Taschachhauses beginnt eine richtige Schinderei. Das Tal ist so flach, dass wir extrem viel Scheiben müssen. Mit Abfahrt hat das nichts mehr zu tun.

Die Wildspitze über diese Variante zu machen bedeutet sehr lange Wege zu gehen. Aus eigener Kraft umrunden wir in dieser Tour von Mittelberg aus das komplette Bergmassiv aus Mittagskogel und Brunnenkogel. Unsere zurückgelegte Gesamtstrecke liegt um die 28 km.

Gegen 14 Uhr sind wir wieder am Auto, wo uns Andi schon erwartet. Endlich kann die Wildspitze begossen werden. Meine mitgebrachten 3 Weizen für uns sind ein Labsal nach dieser langen Tour.

Hast Du Lust auf einen Kommentar? Ich freu mich drauf 🙂

2 Kommentare
  1. Heidemarie Krejci sagte:

    Gratuliere, cool. Ich war vor vielen Jahren dort. Wir hatten wahnsinnig tolle Verhältnisse, so konnten wir eine kleine „Rundtour“ machen. Sind über die Braunschweiger Hütte, die Brochkogel-Nordwand, Brochkogel, dann rüber zur Wildspitze Südgipfel, die Scharte zum Nordgipfel und über die Westflanke mit den Schier abgefahren. Zurück bei der Braunschweiger Hütte war ich dann ziemlich erledigt. Liebe Bergsteigergrüße und weiter viel Erfolg !
    Heidi

    Antworten
  2. Magnus Bühl sagte:

    Hallo Heidemarie,
    danke für Deinen Kommentar. Ja, ich muss da im Sommer nochmal rauf um den Hinteren Brochkogel und die Petersenspitze noch mitzunehmen.
    Herzliche Grüße aus dem Allgäu
    Magnus

    Antworten

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